that’s me

Weil die Frage immer wieder auftaucht: Ich bin transnational integrierter Europäer. Ich kann bei aller Mühe nicht von mir behaupten, das ich Deutscher bin. Aber Türke bin ich auch nicht wirklich. Das, was meiner Identifikation am nächsten kommt, ist das Europäische.

Ausbildung

Auf der Staatlichen Fremdsprachen Schule in Hamburg habe ich Englisch, Französisch und Spanisch gelernt. Wobei „gelernt“ zu schreiben, wäre geprahlt. Ich würde eher sagen, ich habe versucht es zu lernen. Mal etwas besser, mal etwas schlechter. Genauso wie Arabisch und Türkisch während meines Studiums der Islamwissenschaft in Hamburg. Abgeschlossen habe ich das Studium dann aber in Münster unter der Betreuung von Prof. Dr. Gernot Rotter und Prof. Dr. Sven Kalisch. Inzwischen promoviere ich an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel bei Prof. Dr. Anja Pistor-Hatam und Prof. Dr. Ute Klein. Thema meiner Arbeit ist „Islamische Beerdigungen in Deutschland“. Eigentlich ein ungewöhnliches Thema, was bei mir aber auf der Hand lag, weil ich gemeinsam mit meiner Schwester das islamische Beerdigungsinstitut Uludag-Cenaze gegründet habe und mich in meiner Magisterarbeit mit diesem Thema beschäftigt habe. Aber nicht nur Islamwissenschaften habe ich studiert, sondern auch Politikwissenschaften, Philosophie, Turkologie und Migrationssoziologie.

Theater

Lange habe ich mich für’s Theater begeistert. Schon komisch, wie ich zum Theater kam. Irgendwann fragte mich mein Tischtennistrainer, ob ich nicht Lust hätte, mal im Theater als Statist aufzutreten. Besser als Taxifahren, dachte ich mir. Und Außerdem hatten Theateraufführungen schon in der Schule viel Spaß gemacht und nun auf der größten deutschen Sprechtheaterbühne aufzutreten… Das war schon etwas sehr besonderes. Aus dieser kleinen Episode wurden dann aber neun Jahre Arbeit im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Weitere Auftritt bei Martin Kusej’s „Zur schönen Aussicht“, Jürgen Gosch’s „Nachtasyl“ und Jaqueline Kornmüller’s „Maria Magdalena“ folgten. Außerdem habe ich mich gemeinsam mit dem von sehr geschätzten Anzelm Lenz zwei Mal um die Reihe „Explosion“ gekümmert und das Hamburger Gängeviertel ins Schauspielhaus geholt. Vor allem aber war ich in diesem alt ehrwürdigen Haus in der Technik beschäftigt. Bühnenaufbau, Requisite, Lager, Logistik und zum Schluss sogar im Betriebsrat tätig. Als Betriebsratsersatzmitglied habe ich mir die Personallisten angesehen und festgestellt das an diesem Hochkulturtempel unterproportional wenige  Mitarbeiter mit erkennbarem Migrationshintergrund arbeiten. Woran liegt das? Die Begründung der Personalchefin: „Es heißt doch auch Deutsches Schauspielhaus“ und ich wurde suspendiert.

Gängeviertel

Über das Theater bin ich zum Gängeviertel gekommen. Ich bin jahrelang an den maroden Gebäuden am Valentinskamp und dem Parkplatz vom Axel-Springer-Verlag an der Speckstraße vorbeigegangen und gerade als ich im Schauspielhaus in der Dramaturgie tätig war, hatten Künstler und Aktivisten die 12 Häuser zwischen dem Valentinskamp und der Speckstraße (Geburtsort von Johannes Brahms) besetzt und wiederbelebt. Da kam mir der Gedanke das Gängeviertel ins Deutsches Schauspielhaus einzuladen. Als meine Zeit im Schauspielhaus dann beendet wurde, habe ich begonnen mich im Gängeviertel zu engagieren. Seither bin ich dort verantwortlich für die Aufzeichnung und Bearbeitung von Pressekonferenzen, Lesungen, Seminaren, Workshops, Konzerten oder Ausstellungen und betreibe Sonntags das Café „Das grüne Leuchten“

Journalismus

Der Zufall wollte es, dass ich 2010 ein Redaktionsvolontariat zum Journalisten beim Norddeutschen Rundfunk durchlaufen durfte. Im Bewerbungsgespräch fragte mich jemand aus der Auwahlkommision; Warum wollen sie Journalist werden? Da ich das bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht wollte, musste ich mir schnell eine Antwort einfallen lassen, nach der ich mich tatsächlich seitdem richte. „Für mich ist Journalismus nur eine Ausrede, um Menschen kennenzulernen.“ Ich glaube nicht daran, dass Journalismus die Welt verbessern kann. Beim NDR habe ich vielen Redaktionen wie, das Kulturjournal, Panorama, Kulturzeit und verschiedenen Landesfunkanstalten kennengelernen. Dabei habe ich mich auf die längeren Stücke wie Reportagen und Dokumentationen konzentiert, weil man bei längeren Formaten wenigsten die Zeit hat Sachverhalte auszuformulieren. So durfte ich bei der Produktion „45 min – Nachbar Türke“ mitarbeiten und bin inzwischen als Freier Autor für die Redaktionen NDR-Fernsehen „Die Reportage“ tätig, wo ich die Reportagen „Auf der Flucht vor Armut – Roma in Hamburg“ und „Tschüß Deutschland – Zurück in die Türkei“ gedreht und produziert habe. Aber auch für das ZDF habe ich  an Dokus gearbeitet. Gemeinsam mit Michael Richter haben wir für ZDF.zeit „Riskante Reise – Europa und die Flüchtlingsströme“ produziert und würden für den Grimme-Preis in der Kategorie: Information und Kultur und den Amnesty International/Marler Menschenrechtspreis Fernsehen in der Kategorie Inlands Doku nominiert. Für ZDF.zoom habe ich eine Doku über die Legalisierung von Canabis produziert „Zoff ums Kiffen – Macht die Freigabe Sinn?“ Aber ich schreibe hin und wieder auch Reportagen für die Orientzeitschrift „Zenith“. Inzwischen beschäftige ich mich thematisch nicht mehr mit dem Islam oder Islamismus, Türkei oder Türken und Migration und Integration.

Dissertation

Nun arbeite ich unter der Betreuung von Frau Prof. Dr. Anja Pistor-Hatam und Frau Prof. Dr. Uta Klein an meiner Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Christian Albrechts Universität zu Kiel im Seminar für Orientalistik im Fach Islamwissenschaften zum Thema „Islamischen Beerdigungen, die Rahmenbedingungen von islamischen Bestattungen in Deutschland und die Entscheidungsfindungskriterien bei der Wahl des Beerdigungsortes eines muslimischen Verstorbenen, speziell am Beispiel der türkisch-muslimischen Bevölkerung in Hamburg“ und bin vermutlich Mitte 2018 fertig!

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